Im Gespräch mit Alexis Dorniier
Carbon House Photo Credit © KIE
In der Welt der Architektur gibt es Namen, die nicht nur für Innovation stehen, sondern auch für die Fähigkeit, unterschiedliche Kulturen und Lebensphilosophien in eine einzigartige Designsprache zu übersetzen. Alexis Dornier ist einer dieser Namen. Vom Münchner Ursprung über die pulsierende Energie New Yorks bis hin zur Gelassenheit und Tiefe Balis hat seine Reise nicht nur seinen Stil, sondern auch seine Perspektive geprägt.
„München gab mir Struktur, New York brachte mir Antrieb, und Bali schenkte mir Perspektive“, beschreibt Dornier die prägenden Stationen seines Lebens im Interview mit HOMEISSUE. In München, umgeben von einer Familie aus Künstlern und Ingenieuren, entwickelte er früh ein Verständnis für das Zusammenspiel von Kreativität und Präzision. Seine Zeit in New York, wo er für renommierte Büros wie OMA und Asymptote arbeitete, war eine transformative Phase: „Die immense Energie dieser Stadt, gepaart mit ihrer Vielfalt und dem unermüdlichen Ehrgeiz, hat mich an meine Grenzen gebracht.“ Doch es war Bali, das ihn eine neue Lebens- und Schaffensphilosophie lehrte: „Hier habe ich gelernt, zeitgenössisches Design mit der bewusst entschleunigten Herangehensweise des lokalen Kunsthandwerks zu verbinden.“
Dorniers Designs werden oft als cineastisch beschrieben, ein Einfluss, den er Künstlern wie John Lautner und Ken Adam zuschreibt. „Beide haben gezeigt, wie man mit Form, Licht und Material Räume schaffen kann, die Emotionen und Geschichten vermitteln. Diese Herangehensweise inspiriert mich tief“, erklärt er. Seine „tektónische Philosophie“ spiegelt diesen Ansatz wider: „Jedes Projekt beginnt mit einer großen Idee. Architektur sollte nicht nur funktional sein, sondern auch eine Geschichte erzählen.“
Bali, mit seiner beeindruckenden Natur und Kultur, fordert ihn immer wieder heraus, lokales Handwerk mit zeitgenössischem Design zu verschmelzen. „Ich sehe Handwerk als Dialog und nicht als Gegenüberstellung. Ich arbeite oft mit Materialien wie Bambus und Holz, setze sie jedoch in einer Weise ein, die frisch und modern wirkt. So ehre ich die Tradition und erweitere gleichzeitig die gestalterischen Möglichkeiten“, sagt Dornier.
Seine Projekte wie das Boutique Hotel Lost Lindenberg und das Carbon House spiegeln Dorniers Philosophie eindrucksvoll wider. „Lost Lindenberg sollte eine Erfahrung schaffen, die die Besucher mit der Natur verbindet und gleichzeitig eine Atmosphäre von Geheimnis und Rückzug bietet. Es wurde zu einem Sehnsuchtsort, an dem das Wilde und das Urbane miteinander verschmelzen“, erklärt er.
LOST LINDENBERG | Photo Credit © Robert Rieger
Das Hotel liegt an der unberührten Westküste Balis und bietet eine einzigartige Kombination aus Architektur, Natur und Gemeinschaft. Die acht Baumhauszimmer, hoch über dem Boden und umgeben von tropischem Dschungel, laden dazu ein, den Blick auf das Meer oder die dichte Vegetation zu genießen. Eine erhöhte „Highline“ verbindet die Türme und führt Gäste direkt zum schwarzen Lavastrand, wo ein privater Surfspot wartet. Der Gemeinschaftsgedanke steht dabei im Mittelpunkt: Gäste treffen sich an einem massiven Holztisch im Restaurant, das mit pflanzenbasierter Küche und regionalen Zutaten begeistert.
Carbon House hingegen erlaubte es mir, mit modernen Materialien in einer tropischen Umgebung zu experimentieren“, erklärt er. Besonders berührend ist für ihn, wie Menschen die von ihm geschaffenen Räume erleben: „Es ist faszinierend zu sehen, wie sie Licht, Bewegung und die fließende Verbindung von Innen- und Außenbereichen wahrnehmen.“
LOST LINDENBERG | Photo Credit © Robert Rieger
Ein weiteres herausragendes Werk, das diese Philosophie eindrucksvoll verkörpert, ist die X Mansion, die Alexis Dornier für den deutschen Rapper Cro entworfen hat. Das Haus vereint moderne Ästhetik mit einer engen Verbundenheit zur Natur und steht exemplarisch für Dorniers Fähigkeit, Räume zu schaffen, die persönliche Geschichten erzählen.
„Dieses Objekt bot die Möglichkeit, ein privates Refugium zu gestalten, das zugleich ein kraftvolles Statement setzt“, erklärt Dornier. Die kreative und geerdete Persönlichkeit seines Klienten prägte jede Phase des Entwurfs. Der kreuzförmige Grundriss auf Stelzen wird von einem Kreis umgeben, der Atelier, Pool und Tonstudio harmonisch integriert. Die Schlafzimmer, individuell mit prägnanten Dachformen gestaltet, bieten durch gezielte Ausblicke eine intensive Verbindung zur Natur, während ein abgesenkter Wohnbereich den Mittelpunkt des Hauses bildet.
Materialien wie wiederverwendetes Holz und organische Elemente schaffen eine spannende Symbiose aus tropischer Moderne und künstlerischem Anspruch. Diese Herangehensweise, die Tradition und Innovation verbindet, macht die X Mansion nicht nur zu einem Zuhause, sondern zu einem einzigartigen Erlebnis. „Es ist ein Raum, der nicht nur Funktionalität bietet, sondern Emotionen weckt und gleichzeitig die Balance zwischen Rückzug und Offenheit wahrt“, resümiert Dornier.
Carbon House | Photo Credit © KIE
X Mansion | Photo Credit © KIE
Nachhaltigkeit ist heute ein Schlüsselthema, und Dornier begegnet den besonderen Herausforderungen Balis mit Kreativität und Pragmatismus. „Das Klima erfordert intelligente Lösungen für Belüftung, Beschattung und Wassermanagement. Gleichzeitig bietet Bali eine Fülle an erneuerbaren Materialien wie Bambus und Stein, die unendliche Gestaltungsmöglichkeiten schaffen“, erklärt er. Sein Ansatz kombiniert passive Designstrategien, nachhaltige Materialbeschaffung und die Zusammenarbeit mit lokalen Kunsthandwerkern, die Wert auf Langlebigkeit und Qualität legen.
Ein Projekt, das seine Vision von Nachhaltigkeit und Design perfekt verkörpert, ist die limitierte Lampenserie Tamashī Jiwa. „Diese Serie wurde von der Idee inspiriert, Licht als Verbindung – emotional und physisch – zu begreifen. Die Lampen bestehen aus lokalen Materialien und traditionellen Techniken, die auf zeitgemäße Weise interpretiert werden“, beschreibt Dornier. Jede Lampe ist eine Miniatur seiner architektonischen Philosophie: „Es geht darum, Balance, Seele und Verbindung zu schaffen.“
© Pete Kamynin
Was macht für Dornier ein Haus zu einem Zuhause? „Ein Zuhause ist mehr als nur vier Wände und ein Dach. Es ist ein Ort, der die Persönlichkeit und Werte seiner Bewohner widerspiegelt“, sagt er. Natürliches Licht, harmonische Proportionen und angenehme Materialien bilden die Grundlage. „Doch es sind die kleinen Details – Texturen, Gerüche, Klänge –, die einen Raum lebendig machen. Ein Zuhause sollte Komfort und Inspiration zugleich bieten.“
Dornier sieht die Zukunft des Wohnens in Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. „Unsere Häuser werden sich immer mehr den wandelnden Anforderungen des Lebens, Arbeitens und der sozialen Interaktion anpassen müssen. Nachhaltigkeit wird dabei eine zentrale Rolle spielen, mit Häusern, die ihren ökologischen Fußabdruck minimieren und dennoch maximalen Komfort bieten“, prognostiziert er.
Abschließend ist sein Rat an junge Architekten ganz klar: „Bleibt offen für Neues und seht Herausforderungen als Chancen. Oft sind es die Einschränkungen – ob Budget, Standort oder Materialverfügbarkeit –, die die innovativsten Lösungen hervorbringen. Und vergesst nie die Geschichte, die ihr mit euren Designs erzählen wollt.“